Letzen Samstag saß ich zum ersten Mal mit meiner neuen .300 Win. Mag. Büchse an, die mir mein Büchsenmacher nach meinen eigenen Wünschen gebaut hat. Ausgesuchtes System, Lothar Walther Lauf, schöner Hogue Schaft und eine entsprechendes Zielfernrohr. Keine Präsentationswaffe, sondern ein schönes Arbeitsgerät genau nach meinen Wunschvorstellungen. Das Einschießen auf dem Schießstand war zunächst ein Schock. Die Waffe „streute über die gesamte Scheibe“. Ein Anruf bei meinem Büchsenmacher klärte die Sache jedoch schnell auf. Es ist bei Lothar Walther Läufen wohl typisch, dass ein nagelneuer Lauf erst nach ca. 20 Schuss präzise wird, dafür dann aber sehr präzise ist und auch bleibt. Hatte mir mein Büchsenmacher auch gesagt, ich hatte es vor lauter Vorfreude wohl nur vergessen. Und ein paar Schuss später wurden die Gruppen immer enger. Nach etwa 25 abgegebenen Schuss schoss ich dann die erste „Wertungsgruppe“ auf 100m. Nach 5 Schuss holte ich die Scheibe heran und maß 18mm von Schusslochmitte zu Schusslochmitte der beiden äußersten Treffer. Das sehr gute Ergebnis steigerte meine Freude über die neue Waffe noch und zeigte mir auch, dass die Wahl der Brenneke .300 Win. Mag. Patrone mit dem 11,7 Gramm TUG genau die richtige war. Entscheidend für die Wahl war ein Test dieser Patrone im Deutschen Waffen Journal, in dem sich die Brenneke Patrone gegenüber den Mitbewerbern durch ihre Präzision heraushob.
Ich gab noch weitere 5 Schuss in relativen kurzen Abständen und ohne die Waffe zwischenzukühlen auf die gleiche Scheibe ab und kam somit auf eine 10 Schuss Gruppe von 24 mm, was aufgrund der schnellen Schussfolge ein traumhaftes Ergebnis ist. Da ich regelmäßig am Feldrand jage und somit größere Distanzen (mehr als 150m) fast regelmäßig vorkommen, war ich mir sicher perfekt dafür vorbereitet zu sein.
Allerdings erfolgte der erste Einsatz nicht auf große Distanz sondern an der Kirrung auf gerade mal 35 m. Aber um die Sauen im Wald zu halten und somit das Wechseln in die Felder zu verhindern, hatten wir eine entsprechende Kirrung angelegt, die in den letzen Tagen der Spurenlage nach auch immer gut besucht war. So baumte ich am letzten Samstag so gegen 20 Uhr auf und genoß den lauen Sommerabend. Allerdings war bis auf ein paar Vögel gar nichts los. Da das Büchsenlicht bis kurz vor 23 Uhr reichen würde, machte ich mir auch keine Gedanken. Punkt 22 Uhr trat dann ein einzelner Überläuferkeiler aus dem Dickicht. Ich schätze diesen auf rund 50 kg Lebendgewicht, also eher ein Keilerchen. Ob er sich seiner Sache sicher war oder ob es jugendlicher Übermut war, kann ich nicht sagen, er zog ohne groß zu sichern mittig auf die Kirrung und tat sich am Mais gütlich. Großen Appetit schien er aber nicht zu haben, nach ein paar Minuten schon zog er gemütlich weiter, schräg auf meinen Stand zu wieder in den Wald hinein. Jetzt oder nie, ich ließ das TUG fliegen. Was dann geschah überraschte mich allerdings. Ohne jegliches Schlegeln fiel der Keiler sofort wie vom Blitz getroffen auf die Seite und bleib liegen. Eine solche schnelle und perfekte Wirkung kenne ich eigentlich nur von Treffern im Bereich der Wirbelsäule. Ich war mir aber sicher maximal Hochblatt abgekommen zu sein, so dass die Wirbelsäule eigentlich nicht betroffen sein dürfte. Ich baumte nach den obligatorischen 3 Minuten ab und ging zu Stück. Das TUG war Hochblatt über der linken Keule mit einen kalibergroßen Loch eingedrungen, hatte wie sich beim Aufbrechen später zeigte, die Aorta abgetrennt und die Lunge kollabieren lassen und dann auf der rechten Seite vor dem Zwerchfell in einem ca. 20mm großen Ausschuss wieder auszutreten. Die Wirbelsäule war wie vermutet nicht betroffen, so dass man dem TUG hier eine hervorragende und schnelle Wirkung praktisch ohne jegliche Wildbretzerstörung attestieren kann.
Was nun kam war der anstrengendere Teil, galt es den erlegten Keiler aufgrund der hohen Temperaturen doch schnell zu versorgen und in die Kühlkammer zu bringen. Und obwohl das Stück nur mit 35 kg aufgebrochen zu Buche schlug, war der Weg bis zum Auto ganz schön Schweißtreibend.
Nach der roten Arbeit saß ich dann mit dem Revierpächter noch vor der Kühlkammer auf ein kühle Bier und feierte ein wenig die perfekte „Einweihung“ meiner neuen Waffe.
Harald Hinz, Hohenhameln
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